Geschichte der Alten Ziegelei

Geschichte der Alten Ziegelei Röbel

Ein einmaliges technisches Denkmal

Die Anfahrt zur  alten Ziegelei erfolgt über die Allee des Jahres 2010

Die Alte Ziegelei liegt zwischen Röbel an der Müritz und dem kleinen Dorf Solzow. Der alte Landweg, gesäumt von Kastanien, wurde im Jahr 2010 zur Allee des Jahres (BUND) erklärt. Im Mai 1724 hatte die Stadt Röbel/Müritz einen großen Stadtbrand, wobei über 120 Häuser zerstört wurden.

Deutscher Ofen 1724

Da nun sehr schnell Ziegel benötigt wurden und auch keine Strohdächer mehr gebaut werden durften, beschloss der damalige Stadtrat des Ackerbaustädtchens am Stadtrand eine Ziegelei zu bauen. Somit entstand noch im Jahre 1724 der Ziegelbrennofen, (Altdeutscher Kammerofen), ein Wohnhaus, ein Stall, eine Scheune und ein Pferdegöpel.

Ziegler Schlagkarre, Pferdegöpel

Zunächst einmal beschäftigte die Stadt einen Zieglermeister und mehrere Tagelöhner. 1844 ersteigerte der Zieglermeister Wilhelm Groth mit einer Erbpacht zum Preis von jährlich 570 Thaler die Ziegelei und das Gosenow, heute Landschaftsschutzgebiet, von der Stadt Röbel.

Ruine des Pferdegöpels

Dort wurde der Lehm abgebaut und mit Loren an die Verarbeitungsstätte auf die Ziegelei befördert. Im Pferdegöpel wurde der Lehm zerkleinert, um anschließend zu Ziegeln verarbeitet zu werden. Im Bild links sehen Sie die Ruine dieses Pferdegöpels — die Natur erobert sich ihren Raum zurück!

Zeichnung des Casseler Ziegelbrandofens 1856

1856 wurde die Ziegelei mit einem industriellen Ziegelbrennofen (Casseler Ziegelflammofen, 1827 von Ing. Carl Anton Henschel aus Kassel patentiert, siehe Abbildung auf der linken Seite), einem größeren Stallgebäude, einem Trockenschuppen für die ungebrannten Ziegel, erweitert und blieb bis 1945 in Betrieb.

Ruine des Kassler Ofens

Das Wohnhaus von 1724 wurde vergrößert und umgebaut und war bis 1988 in Besitz der Familie Wilhelm/Rudolf/Hermann Groth. Teilweise beschäftigte die Ziegelei bis zu 30 Arbeiter.

Wohnhaus vor der Übernahme durch uns

Da es sich um eine industrielle Anlage zur Ziegelproduktion handelte, wurden die noch übrig gebliebenen Familienmitglieder, die damaligen Besitzer der Ziegelei, Hermann Groth, von Beruf Ornithologe und seine beiden Schwestern, von der russischen Besatzungsmacht in eine kleine Wohnung nach Röbel/Müritz zwangsumgesiedelt.

verarbeitete Fundstücke

Die Russen wollten die Ziegelherstellung selbst übernehmen. Hermann Groth jedoch hatte die Esse des Kasseler Ofens so manipuliert, dass, als die Besatzer ihren ersten Brand fahren wollten, diese einstürzte. Die Russen machten sich wieder "vom Acker" und somit konnte Hermann Groth mit seinen beiden Schwestern wieder in das Haus zurück.

verarbeitete Fundstücke

1994 erwarben die Kunstmaler Hans und Monika Schott die "Alte Ziegelei". Die ersten Jahre verbrachten Sie mit der Sanierung und Restaurierung des Wohnhauses, wobei Sie jedoch darauf achteten, dass das "Alte" erhalten blieb und mit dem "Neuen" in Einklang brachten.

Blick auf das Wohnhaus

Im Wohnhaus (1724/umgebaut 1856) befindet sich heute das Atelier, die kleine Sommergalerie und die Wohnung des Künstlerehepaares Hans und Monika Schott. 2001 beschlossen sie, das historische Anwesen auch für andere Menschen zugängig zu machen und bauten das Stallgebäude (1856) zu Ferienwohnungen aus.

Hier sehen Sie verschiedene Fundstücke, die wir bei unseren Arbeiten auf dem Gelände der „Alten Ziegelei“ fanden.